FAZ vom 15.12.1998
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Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 291

 

Dienstag, 15. Dezember 1998

Tele-Teaching in Rheinland-Pfalz

Vor 20 Jahren der erste Computer an der Schule

WORMS, 24. Dezember. Es gibt auch heute noch Menschen, so weiß der Wormser Kulturdezernent Heiland zu berichten, ,,die bei dem Begriff ,Festplatte' an einen gut gedeckten Tisch denken". Vor zwanzig Jahren, als an einem Schulzentrum in Worms ein erster Versuch mit Mikroprozessortechnik bei der Datenverarbeitung begann, gehörte die heute als befremdlich angesehene Ignoranz gegenüber der Welt von Bits und Bytes noch zum guten Ton. Der ehemalige Wormser Lehrer Alfons Rissberger, Diplom-Ingenieur und Mathematiker, erinnert sich an den Rat eines erfahrenen Schulmannes, der von der Beschäftigung mit dem modischen Schnickschnack abriet. ,,Das hat keine Zukunft."

Für die Computerausbildung stehen an den rheinland-pfälzischen Schulen mittlerweile etwa 18 000 Arbeitsplätze zur Verfügung. Alle Schulen mit Sekundarstufe II (elftes bis dreizehntes Schuljahr) sind inzwischen an das Internet angeschlossen, ebenso die Hälfte der bis zum zehnten Schuljahr führenden Schulen. Die Frage der Gebühren wird derzeit mit der Deutschen Telekom erörtert. Das Bildungsministerium will das ,,Tele-Teaching" als neue Form des Lehrens und Lernens an drei Standorten in rheinland-pfälzischen Berufsschulen einführen. Der frühere Mainzer Kultusbeamte Rissberger, der inzwischen in Mecklenburg-Vorpommern für das landeseigene Netz der Datenverarbeitung zuständig ist, hat nun in Worms anlässlich der zwanzig Jahre zurückliegende Einführung des ersten Computers (vom Typ PET-Commodore) die immer noch reservierte Haltung gegenüber den neuen Kommunikationstechnologien beklagt. In den Vereinigten Staaten zeichne sich bereits das Ende der herkömmlichen Rolle des Lehrers ab. Eine ,,mitdenkende" Software, die auf das jeweilige Leistungsniveau des einzelnen Schülers Rücksicht nehme, ermögliche bei der Vermittlung von Sprach- ebenso wie von mathematischen Kenntnissen Ergebnisse, wie sie kein herkömmlicher Unterricht leisten könne. In Deutschland werde der Anschluss jedes Klassenzimmers an das ,,Netz" für das Jahr 2000 geplant. Um die neuen Möglichkeiten des Lernens für alle Schüler zu erschließen, müsse jedoch jeder Platz im Klassenzimmer über einen Anschluss verfügen. Den von manchen Fachleuten bereits vorausgesagten ,,Untergang der Schule" wollte Rissberger dann aber doch nicht prophezeien. Die bei der Feierstunde anwesenden Schüler begleiteten die Ausführungen Rissbergers mit sichtbarem Wohlwollen, die Pädagogen spendeten angesichts der aufgezeigten Perspektiven eher zögerlichen Beifall. (rntz.)

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